Die 50 Sie+Er-Turnenden, 25 Turnpaare (vier Getu-Duos weniger als 2016), machten in Luzern beste Werbung für diese partnerbezogene, anmutige Disziplin im Geräteturnen. Nicht knallharte Athletik und grosse Muskelpakete sprechen für diese Sparte, sondern viel eher die kleinen feinen Element und die turnerischen Zwischentöne wie ein Tanzschrittchen hier oder ein Augenzwinkern zum Partner oder Partnerin da. Es kann aber auch gepflegter feiner Humor sein, der sich möglichweise in der Turnbekleidung ausdrückt, die sich während dem Turnen verändern kann.
30 Jahre – viel, nicht viel?
Das Fachpublikum aus Getu-Kreisen sowie Bundesrat Ueli Maurer, zeigte in Luzern ihre Begeisterung durch rhythmisches Klatschen zur Musik, das die Bodenübungen der Sie+Er-Paare unterstützten. Die Vorrunden-Totals lagen zwischen 28,05 (Marisa Gnos/Oliver Müller, TV Hünenberg) und 23,13 Punkten vom Turnpaar Christina Kochsiek/Jan von Känel (TV Zweisimmen). Interessant ist die Altersspannweite. Dominik Dobmann (TV Grünigen, Jg. 1975) und Martina Nodari sowie Irene Pellegrini (beide FSG Chiasso, beide Jg. 2005) trennen 30 Jahre. Die Differenz mag gross erscheinen, im Wettkampf ist davon nichts zu sehen: Auch das ist Sie+Er-Turnen.
Sieg mit neuer Boden-Choreo
Das Titelverteidiger-Duo Gnos/Müller dominierte (knapp) die Qualifikation (28,05 Punkte) und liess, ein paar Stunden später im Final (knapp), mit einer Steigerung von zwei Zehnteln, nichts anbrennen: SM-Titel Nr. 2 und 2016-Kopie für das Turnpaar aus dem Kanton Zug. «Keine Frage: Den Titel zu verteidigen ist viel schwerer, als ihn das erste Mal zu gewinnen. Wir kamen hierher, um zu zeigen, was wir können, ohne bestimmte Vorstellungen im Kopf, was den Rang anbetraf. Dies auch, weil die Boden-Choreo neu ist. Es lief uns dann an allen Geräten ‹mega-gut› und ohne grosse Patzer. Beim Sie+Er kann man nur zusammen gewinnen. Aus diesem Grund heisst es ja Sie+Er. Wir bleiben dran, voraussichtlich werden wir in einem Jahr den Titel verteidigen», meinten Gnos/Müller auf Nachfrage.
Wie ein U-Boot
Das STV-Wettingen-Paar Marina Salvini («Heute absolvierte ich meinen ersten Sie+Er-Wettkampf»)/André Keller steigerte sich im Final um 22 Hundertstel und holt SM-Silber. Mit Keller hat sich Salvini einen der erfahrensten, nationalen Sie+Er-Turner geangelt. Keller weist mindestens fünf SM-Titel auf. 2007, am ETF in Frauenfeld, damals noch zusammen mit Fränzi Bechter, verabschiedete sich der Lehrer mit einem ETF-Sieg aus dem Sie+Er-Geschäft. Zehn Jahre später taucht der Routinier wie ein U-Boot, zusammen mit Salvini, wieder auf und holt auf Anhieb Silber. «Das ETF 2019 in Aarau kann für uns tatsächlich zu einem Thema werden», so die beiden Aargauer schmunzelnd auf Nachfrage. Spannend.
Bronze holten Giorgia Corti/Miro Domeniconi (28,05, FSG Chiasso/FSG Bellinzona). Diese Rochade führte dazu, dass das zweitplatzierte Vorrunden-Duo Nicole Mattli/Dominik Dobmann (TV Grüningen, Meister 2014 in Utzenstorf) aus den Podesträngen auf Platz fünf zurückfiel.
SM Getu – noch nicht fertig …
Am Sonntag, 19. November 2017 geht es am Vierwaldstättersee um die Kategoriensiege in der K-Damen- und K5-Klasse sowie um die Gerätetitel bei den Turnerinnen (Boden, Ring, Sprung, Reck) und den Turnern (Boden, Ring, Sprung, Barren, Reck). Los geht es um 8.30 Uhr (K5). Weiteres SM-Edelmetall liegt bereit, weitere Turnerinnen dürfen träumen und hoffen.
Text: Peter Friedli
Weitere SM-Infos: www.smluzern2017.ch sowie im GYMlive 6/2017.