Die 66 Sie+Er-Turnenden, 33 Turnpaare, mussten an der SM in Utzenstorf am morgen früh in die Turnhosen steigen. In zwei Vorrunden wurden die neun Finalpaare ermittelt. Melanie und Roger Marti (TV Haslen/TV Mels), die Titelverteidiger aus dem Vorjahr (Wil SG), waren vor Ort. Sie wollten ihren Sie+Er-Titel nicht kampflos preisgeben. Zwischen Dominik Dobmann (TV Grüningen, Jahrgang 1975) und Valentina Vanzetta (SFG Chiasso, Jg. 2002) liegen stattliche 27 Lebensjahre. Auf der Turnmatte war von dem gar nichts auszumachen. Bei den Jungen wirkte möglicherweise einfach alles etwas spielerischer. Die Paarpräsentationen auf der Bodenbahn und an den Schaukelringen waren stimmungsvoll, überzeugten mit viel Turnkunst, originellen Akro-Einlagen sowie gekonntem Partnerbezug. Dem Publikum gefiel es.
Neustart im Final
Die Vorrunde wurde vom Bronzemedaillen-Paar 2013, Vera Eigenmann/Gabriel Sutter (TV Bazenheid-Lütisburg/STV Wil SG) dominiert. Die St. Galler lagen 15 Hundertstel vor Nicole Mattli/Dominik Dobmann und 55 Hundertstel vor Felizia Küng/Mirco Scherrer (TV Salto Wattwil). Marti/Marti, das Meisterpaar 2013, lauerten auf dem Ledermedaillen-Platz: 4. Von den 33 Paaren durften neun im Final noch einmal ran. Alles startete bei null, alles war möglich.
Die Endausmarchung verlief turnerisch spannend. Die Finalpaare boten noch einmal Turnkost, die zum Jubeln und Staunen verleitete. Viel Zuwendung bekamen Franziska Rutz/Adrian Zadori, das Finalpaar vom organisierende Verein Gym Center Emme. Mit dem Ausgang an der Spitze hatten die einheimischen aber nichts zu tun.
10,0 – Maximalnoten
Die Sie+Er-Musik spielte bei den stärksten Vorrunden-Paaren. Im Final konnten sich gegenüber der Qualifikation alle steigern. Mit 0,6 Zählern mehr als in der Quali, gelang Mattli/Dobmann der grösste Schritt Richtung Gold. Mit der Maximalnote am Reck (10,0) leistete Dominik Dobmann seinen Anteil zum 1. Sie+Er-Titel. Hinzu kamen die 9,70 Reckpunkte von Mattli. Kein anderes Paar erreichte an den Einzelgeräten einen höheren Finalwert (9,85). Vor einem Jahr belegte das TV-Grüningen-Paar mit 26,68 Punkten noch den 17. Rang. 365 Tage später, mit 2,37 Punkten mehr, gab es das erste Sie+Er-Gold. «Es ist einfach eine grosse Überraschung für uns. Wir wollten den Final erreichen. Die Quali verlief gut, wir turnten locker durch, beide gaben das Beste. Das Training für die Einzel-SM hat uns heute geholfen», so Mattli/Dobmann nach der Rangverkündigung zum Sieg an ihrem zweiten Sie+Er-SM-Start.
Die Quali-Sieger Eigenmann/Sutter («Wir sind mit uns zufrieden. Vor einem Jahr Bronze, jetzt Silber, das passt») legten punktemässig ebenfalls zu, fielen aber auf den zweiten Rang zurück. Marti/Marti steigerten sich im Final um fünf Zehntel. Die Olympiaturnerin (Athen 2004) und ihr Bruder bestätigten den 2013-Sieg und holten in Utzenstorf Bronze («Den dritten Platz haben wir gewonnen und sicher nicht Gold verloren. Die Einzeleinsätze gelangen gut, am Boden patzerten wir leider etwas»).
Eine Maximalnote holte sich auch der SFG-Chiasso-Turner Sandro Agosti (Barren, 10,0), der sich mit seiner Partnerin Giorgia Corti am Ende auf den vierten Platz turnte.
Text: Peter Friedli