In Utzenstorf, an den 32. Schweizer Meisterschaften im Geräteturnen der Turnerinnen, holte sich die 22 Jahre alte Selina Rinert (BTV Luzern) den Schweizer K7-Meistertitel. Es ist ihr erster Mehrkampftitel (Boden, Ring, Sprung, Reck). Die Zentralschweizerin aus dem Turnverband Luzern, Ob- und Nidwalden, vor zwei Wochen wurde sie bereits Schweizer Meisterin mit der Mannschaft, stand vor einem Jahr in Wil (SG) noch auf dem Silberplatz. Nachdem die Siegerin von 2013, Océane Evard (TA Val-de-Ruz, ETF-Siegerin 3013 in Biel/Bienne), in Wil (SG) ihre erfolgreiche Karriere beendet hat, war der (logische) Weg für Rinert in Utzenstorf frei und geebnet. Evard erlebte die Entscheidung ihrer eigenen Nachfolge vor Ort und freute sich für die Luzernerin.
Mit Steigerungslauf zum Titel
Selina Rinert startete mit unaufgeregten 9,45 Punkten an den Schaukelringen, dies reichte gerade noch für den fünften Zwischenrang nach einem Gerät. Dann ging der Wettkampf für die Sportstudentin eigentlich erst so richtig los. Was folgte war ein Steigerungslauf. Die mit optimalen Hebeln ausgerüstete Luzernerin gab Gas: 9,60 beim Sprung, 9,60 am Reck und die abschliessenden hohen 9,65 Zähler auf der Bodenmatte, niemand war hier stärker, katapultieren sie auf das höchste Podest und zum K7-Meistertitel 2014. «So ein Wettkampf beginnt immer wieder bei null. Nach der Silbermedaille im Vorjahr, durfte ich nicht damit rechnen, hier und heute einfach so zu gewinnen. Anfang Woche lag ich noch mit einer Grippe im Bett. Mit dem Wettkampf bin ich jetzt natürlich zufrieden. Probleme hatte ich eigentlich keine und freue mich über das erturnte goldene Edelmetall», so lautete die erste Kurzbilanz der neuen Schweizer Getu-Meisterin, der, so schien es, die ganze Welt gratulieren wollte.
Alt und Jung
Gefordert wurde Selina Rinert, und das ist die ganz schöne Geschichte innerhalb der SM-Geschichte, von der jüngsten und ältesten Turnerin aus dem K7-SM-Starterinnenfeld: Von der zweifachen Schweizer Meisterin Natascia Taverna (Vevey Jeunes Patriots, Jahrgang 1980) und der K6-Siegerin 2013, Sandra Garibay (BTV Luzern, Jahrgang 1999). Die beiden lagen im Zwischenklassement je einmal ganz an der Spitze. Am Schluss, als es um die Wurst ging, aber eben nicht mehr. Die erfahrene Taverna freute sich über Silber und die junge Garibay über Bronze. Mit einem Doppelsalto und halber Schraube zum sicheren Stand, «ersprang» sich Garibay zudem die Tageshöchstnote (9,85) in der K7-Klasse.
Übrigens: Wäre der Einzeltitel bereits 14 Tage früher, im Rahmen der Mannschafts-SM in Wettingen vergeben worden (die STV-Medien berichteten darüber), hätte ihn Sandra Garibay (38,35) gewonnen, da holte sie noch 25 Hundertstel mehr als Rinert (38,10). Taverna bekam damals 37,80 Punkte gutgeschrieben.
Lara Borner – eine weitere Samstag-Siegerin
Am SM-Samstag fiel im Bernbiet auch die K6-Entscheidung. In dieser Nachwuchsklasse turnte sich Lara Borner, ein Produkt aus der Turnfabrik STV Frauenfeld, auf den Spitzenplatz, sie holte Gold. Die 14-Jährige sicherte sich ihre Höchstnote im Bodenturnen (9,55). Léa Jeambrun (2./FS Glovelier) und Paciane Bo Studer (3./TZN Nidwalden) standen zusammen mit Borner auf dem K6-Podest.
Werner Bill, der OK-Präsident hatte recht, als er in seiner Begrüssung meinte: «Willkommen in Utzenstorf, es geht heute um viel, sehr viel. Es geht um den K7-Meisterinnen-Titel und es geht aber auch um den Einzug in die Gerätefinals vom Sonntag. Dies sind die Höhepunkte dieser SM, ihr dürft euch freuen.» Das Publikum, gegen 1000 Geräteturn-«Fäns», freute sich mit Bill und machte sich in der Turnarena lautstark bemerkbar.
Text: Peter Friedli