Das letzte Vorrundenspiel zwischen der Schweiz und Deutschland hatte sportlich gesehen keinen Einfluss mehr auf den weiteren Turnierverlauf. Beide Nationen verloren ihre Spiele gegen Österreich, standen aber aufgrund ihrer Siege gegen Italien bereits im Halbfinal. Da sie sich dort drei Stunden später erneut gegenüber standen, konnten im ersten Aufeinandertreffen sowohl taktische Varianten geprobt als auch Kräfte geschont werden. Zum Schluss siegte Deutschland mit 3:2 (11:5, 11:8, 5:11, 9:11 und 11:7). Gemäss dem Schweizer Nationaltrainer Marcel Cathomas ging es darum, der zweiten Formation eine Spielmöglichkeit zu geben. „Doch auch die Stammspieler sollten sich an die durch die Nässe schwierigen Bodenverhältnisse gewöhnen“, meinte Cathomas. Daher kam zum Beispiel Cyrill Schreiber nach drei Sätzen auch noch zum Einsatz. Einzig der zentrale Abwehrspieler Dominik Gugerli blieb das ganze Spiel auf der Bank. Eine Rechnung, die mit Blick auf das Halbfinale aufging. Insgesamt zeigte sich Cathomas zufrieden mit der Vorrunde seiner Schützlinge. Die knappe Niederlage vom Vortag in einem hartumkämpften Spiel gegen Weltmeister und Finalgegner Österreich wurde gut verarbeitet. „Wir wollten unbedingt gewinnen, doch danach galt es, vorwärts zu schauen“, so der Nationaltrainer. Auf das von Cathomas prognostizierte „heisse Halbfinalspiel“ gegen Deutschland zeigten sich die Eidgenossen dann auch mental gut vorbereitet. Die Forderung von Cathomas, „clever zu spielen“, setzte das Schweizer Team in den meisten Phasen des Halbfinalspiels eindrücklich um.
Energieleistung im fünften Satz
Die Basis zum 3:2-Erfolg legten die Schweizer bereits zu Beginn des Spiels. Die in der Stammformation mit Cyrill Schreiber, Lukas Lässer, Dominik Gugerli, Manuel Sieber und Marcel Eicher angetretenen Eidgenossen behielten in den ersten beiden Sätzen mit 11:8 und 11:9 die Oberhand. Auf deutscher Seite musste beim Stande vom 8:8 im zweiten Satz der verletzungsbedingte Ausfall von Angreifer Steve Schmutzler weggesteckt werden. Vieles deutete danach auf einen glatten Schweizer Dreisatz-Sieg hin. Im dritten Durchgang konnten die Deutschen jedoch gleich mit 5:1 wegziehen. Zwar kamen die Schweizer nochmals heran (8:9), doch die letzten Punkte zum 11:8 beanspruchten wieder die Deutschen für sich. Auch im vierten Satz zeigte sich das deutsche Team von ihrer besten Seite und gewann mit 11:7. Die Entscheidung musste also im fünften Satz fallen. Der Gastgeber kam nach zehnminütiger Pause wie verwandelt aufs Spielfeld zurück und zog vom 1:2 dank fünf Punkten von Cyrill Schreiber und nochmals verbesserter Defensive gleich auf 9:2 weg. Die Begegnung war entschieden und die Schweiz konnte sich mit dem 11:5 im Entscheidungssatz den Einzug ins EM-Finale sichern. Trainer Cathomas zeigte sich sehr zufrieden: „Wir haben eine starke Mannschaft und konnten uns gegen das Top-Team aus Deutschland durchsetzen.“ Er attestierte dem Spiel ein sehr hohes Niveau, das „zum Schluss auf beide Seiten kippen kann“. Dass es diesmal zugunsten der Eidgenossen ausging, hatte im letzten Satz sicher mit der Präsenz und Kraft von Angreifer Cyrill Schreiber zu tun. „Er lebt Faustball und seine Kraft ist unwiderstehlich“, so Cathomas. Er verwies aber auch auf die starke Abwehrarbeit, insbesondere durch Manuel Sieber. Diese kompakte Teamleistung wird es am Sonntag, 29. August 2010 um 14:00 Uhr im EM-Endspiel gegen Österreich nochmals brauchen, wenn man am Schluss mit der Goldmedaille um den Hals dastehen will.
Text: Daniel Frei, Swiss Faustball - Medienchef
Resultate: Faustball. Männer-EM in Ermatingen.
Halbfinal. Schweiz - Deutschland 3:2 (11:8, 11:9, 8:11, 7:11, 11:5). (Schweiz: Schreiber, Frischknecht, Jäger, Lässer; Gugerli, Sieber, Eicher, Ziegler). Österreich - Italien 3:1 (9:11, 11:7, 11:8, 11:9). Barragespiel. Italien - Tschechien 3:1 (11:7, 11:6, 9:11, 11:9).
Vorrunde. Gruppe A:
Österreich - Italien 3:0 (11:5, 11:4, 11:8). Schweiz - Deutschland 2:3 (5:11, 8:11, 11:5, 11:9, 7:11). (Schweiz: Schreiber, Frischknecht, Jäger, Lässer; Sieber, Eicher, Ziegler). -- Rangliste nach der Vorrunde. 1. Österreich 6. 2. Deutschland 4. 3. Schweiz 2. 4. Italien 0.
Vorrunde. Gruppe B:
Spanien - Tschechien 2:3 (11:7, 8:11, 14:15, 11:6, 6:11). -- Rangliste nach der Vorrunde: 1. Tschechien 4. 2. Serbien 2. 3. Spanien 0.
News
Faustball-EM: Schweiz kämpft um EM-Gold
ERMATINGEN. Die Schweizer Faustball-Nationalmannschaft steht an der Heim-EM nach einem 3:2-Halbfinalsieg gegen Deutschland im Finale. Die Schweizer zeigten insgesamt eine sehr gute Mannschaftsleistung und liessen den Deutschen im entscheidenden fünften Satz keine Chance mehr. Gegner im morgigen Finalspiel ist Weltmeister Österreich, gegen den es in der Vorrunde eine knappe 2:3-Niederlage absetzte.