Die zweifache Sprung-Europameisterin (2013, 2014) triumphierte zunächst souverän an ihrem Paradegerät. Mit 14,999 Punkten blieb sie deutlich vor der Russin Seda Tutchaljan und der Holländerin Lisa Top. Die 21-jährige St. Gallerin zeigte als erstes wie gewohnt ihren Paradesprung, den Tschussowitina. Dieser wurde mit 15,566 Punkten sehr gut bewertet. Danach stand sie auch den Jurtschenko mit einer Schraube sauber (14,433). Vor dem Wettkampf hatte Steingruber zusammen mit ihrem Trainer Zoltan Jordanov entschieden, auf die zweite Schraube zu verzichten.
Rund zweieinhalb Stunden später durfte sich Steingruber gleich nochmals über den 1. Platz freuen. Gold am Boden zu holen, dies ist ihr auch an Europameisterschaften noch nie gelungen – zweimal Bronze (2014 und 2015) waren ihre maximale Ausbeute. In Baku nun siegte die Mehrkampf-Europameisterin von Montpellier trotz eines leichten Übertreters nach der letzten Diagonale. Der Vorsprung auf Aliya Mustafina betrug trotz des Abzugs von einem Zehntel 0,066 Punkte. Die Russin, am Donnerstag Mehrkampf-Siegerin vor Steingruber, hatte sich zuvor am Stufenbarren Gold gesichert.
«Weiss gar nicht genau, woher ich die Energie noch geholt habe. Die Banane, die ich vor dem Bodenfinal noch gegessen habe, hat gut getan und sicherlich auch die Euphorie der beiden Medaillen aus den anderen Finals», meinte die erfolgreiche Schweizer Turnerin.
Am Schwebebalken reichte es Steingruber hinter der Holländerin Lieke Wevers und der Rumänin Andreea Iridon zu Bronze. Gleich drei (der sechs) Finalistinnen waren vom Gerät geflogen.«Sie hat wirklich das Optimum herausgeholt. Wer hätte gedacht, dass sie vier Medaillen holt», zeigte sich STV-Spitzensportchef Felix Stingelin stolz.
«Die Europäischen Spiele waren eine super Erfahrung, die man sicher nie mehr vergisst», so eine glückliche Giulia Steingruber abschliessend.
Text: Sportinformation/ahv