Steingruber konnte sich punktemässig gegenüber der Qualifikation an allen Geräten etwas steigern (56,699 zu 56,565 Punkte). Gegen die Russin Mustafina, ihre Vorgängerin als Mehrkampf-Europameisterin, blieb die 21-jährige St. Gallerin dennoch chancenlos. Zum Auftakt an ihrem Paradegerät, dem Sprung, sowie zum Schluss am Boden erhielt Steingruber zwar bessere Noten als die Favoritin. Die riesige Differenz von fast zwei Punkten schuf Mustafina dazwischen am Schwebebalken und Stufenbarren.
Nach einem perfekten Tschussowitina, wofür Steingruber die Wettkampfhöchst-Note von 15,600 Punkten (so viel wie noch nie) erhielt, führte diese mit 0,734 auf die Qualifikationssiegerin Alija Mustafina (Russ). «Nach einer grandiosen Stufenbarren-Übung (15,500) setzte sich jedoch die Russin vor die Schweizerin (13,133) und blieb wie erwartet an der Spitze.
«Es war definitiv nicht mein bester Wettkampf, aber ich bin zum Glück ohne grosse Fehler durchgekommen. Die Silbermedaille macht mich stolz und bedeutet mir sehr viel», freute sich Giulia Steingruber.
Selbst bei einem idealen Wettkampf von Steingruber wäre Mustafina in Baku (Aser) nicht zu schlagen gewesen. Die 20-jährige Russin zeigte an allen vier Geräten höchstens minime Unsicherheiten und wurde damit ihrer Favoritenrolle gerecht. Neben Olympiasiegerin am Stufenbarren (in London) ist Mustafina auch je dreifache Welt- und Europameisterin.
Tolle Leistung von Serhani
Taha Serhani turnte einen ausgezeichneten Wettkampf. Bereits an seinem Startgerät Barren holte er 0,900 Punkte mehr als in der Quali (14,333). Auch am Reck, Boden, Pauschenpferd und an den Ringen konnte er sich gegenüber der Qualifikation steigern. Am Sprung hatte er kleinere Landungsfehler zu verzeichnen. «Im Grossen und Ganzen bin ich sehr zufrieden. An einigen Geräten könnte ich es noch besser», schmunzelte der 20-jährige Zürcher, der mit den Europäischen Spielen seinen ersten internationalen Grossanlass bestritt. «Hier zu turnen, war eine super Erfahrung für mich. Alles ist sehr eindrücklich», meinte er weiter.
Erfreut über die Leistungen zeigte sich auch der STV-Spitzensportchef Felix Stingelin: «Giulia konnte ihr Potential abrufen. Mehr als Silber wäre gegen Mustafina nicht drin gelegen. Taha hätte es fast nicht besser laufen können. Er hat einen optimalen Wettkampf gezeigt und sich gegenüber der Qualifikation enorm gesteigert.»
Text: Alexandra Herzog
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Europäische Spiele, Kunstturnen: Silber für Giulia Steingruber, Platz 9 für Taha Serhani
Giulia Steingruber holte am Donnerstag, 18. Juni 2015 an den Europäischen Spielen in Baku (Aser) im Mehrkampf-Final der besten 18 die Silbermedaille (56,699 Punkte) hinter der Russin Alija Mustafina (58,566). Taha Serhani zeigte einen ausgezeichneten Wettkampf und klassierte sich auf dem neunten Rang (84,098). Bei den Männern entschied Europameister Oleg Verniaiew den Mehrkampf für sich (90,332).