«Wow, Bronze, das ist Hammer!» der 17-jährige Bülacher kann es kaum fassen. Nach Bronze im Teamwettkampf durfte sich Eddy Yusof an diesen Europameisterschaften zum zweiten Mal eine Bronzemedaille umhängen lassen. «Das Team hatte für mich erste Priorität, aber das Gefühl auf dem Podest bei dieser Medaille war noch krasser!», so Eddy Yusof. Yusof musste am Pferd als erster Turner den Wettkampf eröffnen. Konzentriert und fokussiert begann er mit einer flüssig durchgeturnten Übung. Auch die Ringe gelingen, am Sprung zeigte er einen hohen Kasamatsu mit einer Schraube musste aber die Landung mit einem seitlichen Ausfallschritt korrigieren und „verschenkte“ damit einen Zehntelpunkt für den Übertritt. An seinem Paradegerät Barren konnte er dann seinen Ausgang den Doppelsalto gebückt pflanzen, das heisst er kam zum perfekten Stand. Einzig beim Salto vorwärts zum Stütz im Barren musste er kämpfen. «Ich habe eine leichte Zerrung seit zwei Tagen, ich konnte dies die ganze Zeit ignorieren, aber am Barren da gab’s plötzlich einen kurzen Stich und ich knickte mit den Armen ein», erklärte Eddy Yusof. Ab dem vierten Durchgang, dem Barren, lag der Bülacher bereits auf dem dritten Zwischenrang. Die Abstände zwischen den Turnern waren so eng, dass es auf jeden Zehntelspunkt ankam. Sein Trainer Aleksandr Krascheninikov betonte: «Heute ging es darum, wer die besseren Nerven behält. Kämpfe um jeden Stand!» Die Anspannung vor dem letzten Durchgang war für alle enorm hoch. Robert Tvorogal (LTU) konnte Eddy Yusof noch den Medaillenplatz streitig machen. Der Litauer musste an die Ringe, eines seiner starken Geräte. «Ich wollte eigentlich nicht schauen, wie gut er turnt. Doch dann wagte ich den Blick auf die Anzeigetafel und sah, dass er die hohe Note 13,941 bekam. Im ersten Moment wurde ich nervös, dann sagte ich mir, jetzt muss ich gut sein», erzählte Eddy Yusof. Der Zürcher trumpfte noch einmal auf und zeigte eine wunderschöne Bodenübung. Als er die Schlussbahn in den sicheren Stand brachte, jubelten die zahlreichen Schweizer Fans in der Halle. Die 13,866 von Eddy Yusof reichten. Mit 0,15 Punkten Vorsprung lag er vor dem Littauer.
Der Aargauer Christian Baumann startete am Boden gut in den Wettkampf, er erturnte sich über einen Punkt mehr als in der Qualifikation. Am Pferd muss er dann leider bei der Flopverbindung das Gerät verlassen, schade, der Rest sah sehr gut aus. Konzentriert absolviert er die nächsten Geräte. Vor allem der Sprung, der Jurtschenko mit Doppelschraube, gelang sehr gut 15.358 (6.2). Am Barren geschah dann leider das Malheur. Domenico Rossi und Christian Baumann hatten die Zeit falsch eingeschätzt und konnten den Barren nicht fertig vorbereiten. In der Folge verlor Christian Baumann mehrmals den Griff. «Das mit dem Pferd ist halt Pech, aber das mit dem Barren ist frustrierend. Ich rutschte, musste improvisieren und konnte mich doch nicht retten», so der zu tief enttäuschte Christian Baumann. Die 10.483 (4.5) Punkte sind weit unter den Möglichkeiten des Aargauers. Für Christian Baumann spricht, dass er weiter kämpfte und den Wettkampf am Reck nach einer ausgezeichneten Übung mit einem Tsukahara gestreckt in den sicheren Stand abschliessen konnte. Er bestätigt damit die Finalqualifikation an diesem Gerät.
Für Eddy Yusof ist diese Bronzemedaille schon die vierte Medaille an Junioren-Europameisterschaften. Vor zwei Jahren holte er als 15-Jähriger Silber mit der Mannschaft und Bronze am Barren, vor zwei Tagen gewann er mit der Mannschaft Bronze. Am Sonntag bieten sich Eddy Yusof weitere Medaillenchancen. Er hat sich an vier der sechs Geräte für den Final qualifiziert. In je einem Gerätefinal stehen auch Christian Baumann, Marco Walter und der erst 13-jährige Henji Mboyo. Morgen Samstag turnt die Elite im Teamfinale der besten Acht.
Renate Ried
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