Was man von Fischer erwartete oder erhoffte, ist in Erfüllung gegangen. Mehr als verdient und nach langer harter Arbeit gewinnt Lucas Fischer endlich seine erste EM-Medaille. Nur knappe 0,133 Punkte vor ihm platziert ist der Ukraine Oleg Stepko mit Rang 1. Der junge Aargauer findet keine Worte vor Freude: «Es hat sich gelohnt durchzuhalten und zu kämpfen», meinte Fischer und dass es sogar für Silber reichen würde, hätte er nie gedacht. Ihm war bewusst, dass er in einem solchen Umfeld eine perfekte Übung turnen musste, um eine Chance zu haben. Ohne viel zu überlegen, turnte er seine Übung durch, ausser bei den letzten beiden Elementen kamen die Gedanken hoch: «Nur noch zwei Elemente, nur noch zwei Elemente und dann der Abgang und stehen und stehen, JA», ging es ihm durch den Kopf. Der Jubelschrei, der ihn in der Qualifikation Dreizehntel kostete, blieb diesmal aus. Sogar der D-Kampfrichter, welcher bereits in der Qualifikation am Barren im Einsatz war, machte ihn humorvoll beim Start seiner Übung fingerzeigend, visualisiert darauf aufmerksam zu schweigen.
Weniger gut lief es Pascal Bucher. Er wollte eine freie Felge mit halber Drehung turnen, musste aber den Barren verlassen. Als guter Achter gewinnt er ein Diplom. Enttäusch zeigte sich Bucher jedoch nicht. Er hat sein Ziel, ein Finalplatz erreicht.
Die Frauen turnten am letzten Europameisterschaftstag noch am Balken sowie am Boden. Giulia Steingruber stand zum ersten Mal in ihrer Karriere im Bodenfinal und beeindruckte mit einer der schwierigsten Übung der Finalistinnen (D-Wert 6.0). Als einzige Turnerin zeigte sie einen Doppelsalto gestreckt mit ganzer Schraube. Auch die drei Doppelsaltos (gestreckt, gehockt und gebückt) gelangen ihr ausgezeichnet. Leider übertrat sie zweimal die Bodenfläche, was sie zweizehntel Abzug kostete. Sie wurde ausgezeichnete Sechste, im hochstehenden Final das von der Russin Ksenia Afanaseva gewonnen wurde.
Text: Chantal Weinmann