Stiftung Schweizer Sporthilfe: «Jeder Franken zählt»

12. Oktober 2020

Seit 50 Jahren bietet die Stiftung Schweizer Sporthilfe Nachwuchsathletinnen und -athleten wertvolle finanzielle Unterstützung. Geschäftsführer Steve Schennach spricht über die Ziele und Herausforderungen.


Steve Schennach, Geschäftsführer Schweizer Sporthilfe
Steve Schennach, Geschäftsführer Schweizer Sporthilfe

Steve Schennach, was war vor 50 Jahren der Auslöser, um die Stiftung Schweizer Sporthilfe ins Leben zu rufen?
Der Ursprung war ein Debakel in Innsbruck anlässlich der Olympischen Winterspiele 1964: Die Schweiz stellte die grösste Delegation mit 77 Athletinnen und Athleten, holte aber keine Medaille. Daraus wurde am 7. April 1970 vom Schweizerischen Landesverband für Leibesübungen und vom Schweizerischen Olympischen Komitee die Stiftung Schweizer Sporthilfe gegründet.

Wie hat sich die Stiftung bis heute entwickelt?
In den letzten Jahren ist die Stiftung systemrelevant für den Schweizer Sport geworden. Dies erkennt man, wenn man betrachtet, dass jährlich fast 500 Förderathleten und fast 600 nationale Talente direkt von der Schweizer Sporthilfe finanziell unterstützt werden. Zahlreiche heute erfolgreiche Athletinnen und Athleten haben in ihrer Laufbahn von diesem Support profitiert.

Wie wichtig ist der Stellenwert der Schweizer Sporthilfe?
Bei Athletinnen und Athleten, Verbänden und Partnern ist er hoch und die Wichtigkeit wird erkannt. In der breiten Bevölkerung ist die Sporthilfe nur teilweise bekannt. Meist haben die Menschen aber das Gefühl, es handle sich um eine staatlich subventionierte Organisation. Das ist nicht der Fall und wir versuchen dieses Trugbild in den kommenden Jahren zu berichtigen.

Wo liegen die Herausforderungen?
Zur Erreichung der heutigen Ziele beziehungsweise des wachsenden Anspruchs nach Unterstützung der Sportlerinnen und Sportler liegen die Herausforderungen schwerpunktmässig bei der Mittelbeschaffung, also beim sogenannten Fundraising. Heute können wir dank der direkten Zahlungen der Sport-Toto-Gesellschaft Förderathleten mit jährlich circa sieben Millionen Schweizer Franken unterstützen. Aktuelle Umfragen und Projekte in Zusammenarbeit mit Swiss Olympic und den Verbänden zeigen auf, dass die optimale Unterstützung in dieser Kategorie einem Bedarf von circa 15 Millionen Franken entspricht. Wenn wir dazu unsere Gesamtauszahlungen von 9,1 Millionen inklusive Nachwuchsathleten und Sonderbeiträge im Jahr 2019 betrachten, müssten wir unsere Einnahmen verdoppeln.
Das war schon vor der Covid-19-Situation eine grosse Herausforderung. In der aktuellen Lage scheint dies sehr schwierig. Die Schweizer Sporthilfe müsste die zusätzlichen Mittel von der Wirtschaft und der Bevölkerung generieren. In unserem Leitbild steht: ‹den Athletinnen und Athleten verpflichtet›. Das ist für uns mehr als ein Satz, das ist unsere Haltung. Deshalb ist resignieren oder aufgeben keine Option. Wir werden weiter um jeden Punkt, jeden Zentimeter, jeden Sporthilfe-Franken kämpfen.

Wann wird ein Athlet von der Sporthilfe unterstützt?
Als Inhaber einer nationalen ‹Talent Card› wird er von der Sporthilfe kontaktiert und wir bieten dem Athleten an, einen persönlichen Sporthilfe-Paten zu suchen. Dieser – und davon haben wir schon fast 600 vermittelt – unterstützt den jungen Athleten mit einer jährlichen Zahlung von 2000 Franken. Darauf aufbauend erhalten die Athletinnen und Athleten jährlich aufgrund ihrer sportlichen Ergebnisse und Potential-Einschätzungen des Verbandes in Zusammenarbeit mit Swiss Olympic eine Bronze, Silber oder Gold Card. Diese berechtigt zur Antragsstellung für einen Förderbeitrag.

Was für Möglichkeiten habe ich als Privatperson, wenn ich den Schweizer Sportnachwuchs unterstützen möchte?
Eine Vielzahl! Aber diese sind noch nicht so bekannt. Bereits ab einer Spende von 1 Franken pro Jahr kann man unterstützen. Circa 15 000 Personen bezahlen jährlich einen Gönnerbeitrag von 50 Franken. Dieses System werden wir nun modernisieren. Auf den Frühling 2021 lancieren wir einen neuen Sporthilfe-Athleten-Förderclub mit abgestuften Gold-, Silber- und Bronze-Beiträgen. 

Darin inkludiert wird auch eine direkte Unterstützungsmöglichkeit der jeweiligen Lieblingssportart sein, womit das Geld dann bei Athleten und Projekten der persönlich favorisierten Sportart ankommt. Mit dieser Idee gehen wir nun auf unsere Verbandspartner zu und hoffen, bei ihnen das gleiche Feuer dafür zu entfachen, wie es bei uns intern für diesen Athletenförderclub bereits brennt. Wir sind überzeugt, dass wir damit eine breitere und aktivere Zielgruppe erreichen und in Zukunft die direkte Athletenunterstützung noch verstärken und in der Bevölkerung breiter abstützen können.

Interview: Alexandra Herzog
Foto: zvg

www.sporthilfe.ch

Dieses Interview ist auch im GYMlive 5/2020 nachzulesen.

Main Partner

Co-Partner

Partner