Rücktritte von Ilaria Käslin, Marco Rizzo, Thea Brogli und Fabienne Studer

14. Mai 2020

Die drei Kunstturnerinnen Ilaria Käslin, Thea Brogli und Fabienne Studer sowie der Kunstturner Marco Rizzo haben sich entschieden, vom Spitzensport zurückzutreten.

Ilaria Käslin (22, Sagno/SFG Chiasso) war seit 2013 Mitglied des Schweizer Nationalkaders. In dieser Zeit vertrat sie die Schweiz an sechs Welt- und sieben Europameisterschaften sowie an zahlreichen anderen internationalen Wettkämpfen und Turnieren. Die Balkenspezialistin verpasste in ihrer Karriere dreimal nur ganz knapp eine EM-Medaille. Sowohl an der EM 2019 in Stettin als auch an der EM 2016 in Bern wurde Käslin Vierte am Balken. In Bern belegte sie auch mit dem Team den vierten Rang. Weiter durfte die Tessinerin siebenmal am Swiss Cup Zürich antreten. An Schweizer Meisterschaften stand sie mehrfach auf dem Podest und am Eidgenössichen 2019 konnte sie sich zur Turnfestsiegerin küren lassen. «Am prägendsten waren für mich sicherlich die Europameisterschaften 2016 in Bern. Das fantastische Heimpublikum, die starken Emotionen, weil wir als Team dabei waren und als Sahnehäubchen mein erster Balken-Final – das bleibt unvergesslich», so Käslin.

«In den letzten Monaten habe ich gemerkt, dass meine Leidenschaft und meine Motivation für das Turnen nicht mehr so stark sind, wie in den vergangenen Jahren», erklärt die 22-Jährige. Sie sei jedoch motiviert gewesen, sich noch auf die Europameisterschaften in Paris und als Reserve für die Olympischen Spiele vorzubereiten. Das Coronavirus bremste diese Pläne aus. «In der fast zweimonatigen Zwangspause fällte ich den entscheid, meine Karriere nicht mehr zu verlängern. Dafür fehlt mir die Kraft und der Wille», begründet die Ilaria Käslin ihren Rücktritt. «Ich habe viele wunderbare Erfahrungen gemacht. Alles in allem kann ich sagen, dass ich dieses Kapitel meines Lebens mit vielen fantastischen und unvergesslichen Erinnerungen beendet habe», betont die Tessinerin.
«Bedanken möchte ich mich zuerst bei meiner Familie. Ohne sie wäre mein sportlicher Weg viel kürzer und farbloser gewesen. Dank ihrer Unterstützung konnte ich meine Leidenschaft ausleben und meinen Träumen folgen. Ich möchte auch allen Trainern, Lehren und Ärzten dankend. Die Freundschaft, Einheit und Unterstützung des Teams waren ein wesentlicher Pfeiler in meiner Karriere wie auch in meinem Leben. Eine grosse Anerkennung und ein riesiges Dankeschön geht an meine Sponsoren Cornercard, Prema, AiutoSport Ticino et AIL sowie an die Gastfamilien, die mich aufgenommen und mir geholfen haben, das Heimweh zu mildern», so die 22-Jährige.
Vor eineinhalb Jahren hat Käslin ein Fernstudium der Psychologie begonnen. Ihr Ziel ist es, in drei Jahren den Bachelor-Abschluss zu erlangen. Gleichzeitig möchte sich die Tessinerin der Welt des Tanzes, der Kunst und des Designs annähern. «Im Moment ziehe ich es vor, mich auf etwas anderes zu konzentrieren und Wissen in verschiedenen Bereichen anzueignen, aber man weiss nie, was die Zukunft bringt», schliesst Käslin ab.

Marco Rizzo (27, Embrach/Kutu Freienstein-Rorbas) war seit 2013 Mitglied des Schweizer Nationalkaders. Er vertrat die Schweiz an den Europameisterschaften 2015 in Montpellier (FRA) und an den Europäischen Spielen 2015 in Baku (AZE). Als Ersatzturner des Schweizer Olympia-Teams 2016 absolvierte Rizzo die ganze Vorbereitung und war auch während den Olympischen Spielen vor Ort in Rio de Janeiro. Als Junior war er Teil der Mannschaft, die an der EM 2010 die Silbermedaille holte. Die Schweizer Meisterschaften 2015 in Winterthur, an der er Silber im Mehrkampf gewann, nennt er als schönsten Wettkampf seiner rund 20-jährigen Turnlaufbahn.

«Nach der Olympia-Absage habe ich lange mit dem Entscheid gerungen. Der Hauptgrund für meinen Rücktritt ist, dass ich mich bereits letztes Jahr entschlossen hatte, im August meine Turnkarriere zu beenden», so der 27-Jährige.
Dazu komme, dass er sich nicht allzu grosse Chancen ausrechne, in der Olympia-Mannschaft 2021 mitturnen zu können. «Ich schätze mich glücklich darüber, was ich alles erreicht habe. Während meiner Turnkarriere konnte ich vieles lernen, was mir auch im weiteren Leben hilfreich ist», meint Rizzo. «In erster Linie danke ich meiner Familie, den Leuten von Kunstturnen Freienstein-Rorbas sowie dem Supporter-Club. Ein grosser Dank geht auch an meine früheren Trainer Alexandr Kraschenninikow und Christian Grossniklaus, an den ZTV sowie an meine Freunde, die mir an vielen Wettkämpfen beistanden und meine damalige Freundin, die alles mit mir mitmachte», so der 27-Jährige. Für die Weiterentwicklung möchte mich auch bei den Trainern und meinem Sportpsychologen in Magglingen danken», so der 27-Jährige. Weiter bedankt er sich bei seinen Sponsoren Raiffeisenbank Oberembrach-Bassersdorf und der Mazda Garage Bülach und allen anderen Personen, die ihn während seiner Turnsportkarriere auf irgendeine Art und Weise unterstützt haben.
Dem Turnen wird Marco Rizzo auf jeden Fall treu bleiben, wie er sagt. «Ich kann mir gut vorstellen, als Trainer tätig zu werden.»

Thea Brogli (20, Riazzino/SFG Chubiasco) war von 2016 bis 2019 Mitglied im Schweizer Nationalkader, ab 2020 gehörte sie dem erweiterten Nationalkader an. An den Europameisterschaften 2016, 2017, 2018, am European Youth Olympic Festival 2015 sowie an diversen Weltcups vertrat sie die Schweiz. An den Schweizer Meisterschaften 2016 in St. Gallen stand die Tessinerin viermal auf dem Podest. Die EM in Bern 2016 und den Olympia-Testevent 2016 in Rio nennt Brogli als ihre Karriere-Höhepunkte.

Ohne Chance auf eine mögliche Olympia-Teilnahme fehlt der 20-Jährigen die Motivation, um weiter zu turnen. Nach einer sechsmonatigen Trainingspause wegen einer Schulteroperation im vergangenen Jahr wollte Thea Brogli es nochmals versuchen. Ihre Form reichte aber noch nicht, um ins Team für die Weltmeisterschaften in Stuttgart zu kommen. «Ich habe am Fernseher mitgefiebert. Als die Mannschaft die Olympia-Qualifikation verpasst hat, ist mein grosser Traum geplatzt», erklärt Brogli. Sie begann, sich neu zu orientieren. «Ich werde das Kunstturnen immer verfolgen, ich persönlich habe aber andere Pläne», sagt sie weiter. In einem Jahr möchte die Tessinerin die Matura machen und danach Psychologie studieren. «Ich möchte mich herzlich bei meinen Trainern, meinem Team, den Masseuren, den Physiotherapeuten, meinen Kollegen, meiner Familie und meinen Sponsoren bedanken, für alles was sie für mich gemacht haben»

Fabienne Studer (18, Thun/Gym Berner Oberland) war von 2017 bis Ende 2019 Mitglied im Schweizer Nationalkader. 2017 vertrat sie die Schweiz an den Weltmeisterschaften in Montreal (CAN) und an den Europameisterschaften in Cluj (ROU). Ebenfalls 2017 gewann sie an den Schweizer Meisterschaften in Morges Gold am Stufenbarren sowie Silber im Mehrkampf und am Balken. «Im Jahr 2017 kann ich mich fast nur an positive Erlebnisse erinnern. Es gab aber auch noch viele weitere Höhepunkte in meiner Turnkarriere, auch wenn nicht immer alles einfach war», erklärt die 18-Jährige.

«Ich möchte mich besonders bei Otto Frank Seger und meiner Familie bedanken. Ein Dank gebührt aber auch meinen Team-Kolleginnen, meinem Verein und auch allen anderen Menschen, die mich immer unterstützt und hinter mir gestanden haben», so Studer. Die Berner Oberländerin konzentriert sich bereits seit Anfang 2020 nur noch auf die Schule. «Ich kann mir für später gut einen Beruf im Gesundheitsbereich vorstellen», so Studer. Dem Sport wolle sie auf jeden Fall treu bleiben, ob es das Turnen bleibt, wisse sie noch nicht.

Text: Alexandra Herzog
Fotos: Archiv STV

Bild ganz oben: Ilaria Käslin kann auf zahlreiche schöne Momente ihrer Laufbahn zurückblicken.

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