Géraldine Ruckstuhl: «Das macht den Reiz aus»

6. April 2020

Die im STV Altbüron grossgewordene Mehrkämpferin Géraldine Ruckstuhl ist mit Gold an der U23-EM und als WM-Neunte im vergangenen Jahr definitiv in der Weltspitze angekommen. Im GYMlive-Stafetteninterview spricht Ruckstuhl unter anderem über ihre nächsten Ziele.

Géraldine Ruckstuhl, wie charakterisierst Du dich als Mensch selbst, stelle Dich doch bitte kurz vor.
Géraldine Ruckstuhl: Ich bin ehrgeizig, habe einen grossen Willen, bin bodenständig und natürlich.

Wie bist Du zum Siebenkampf gekommen?
Durch den Verein und den UBS Kids Cup, an dem ich aus Spass teilgenommen habe. Da ich mich für den Kantonalfinal qualifiziert hatte, musste ich auch ins Leichtathletik-Training. Das hat mir gefallen. Eigentlich war ich damals im Geräteturnen. Irgendwann musste ich mich entscheiden, ob Leichtathletik oder Geräteturnen. Ich wählte die Leichtathletik. Mir lagen mehrere Disziplinen gut und als mit der U18 der Siebenkampf möglich wurde, bin ich da hineingewachsen.

Gibt es Momente, in denen Du deine Kolleginnen beneidest, die sich nur auf eine einzige Disziplin fokussiert haben?
Manchmal möchte man schon auch gerne nach dem Techniktraining aufhören und nicht noch Sprint- oder Kraftübungen anhängen. Doch ich habe so grossen Spass an allem, dass mir das eigentlich nichts ausmacht.

Wie sieht bei Dir eine normale Trainingswoche aus?
Ich trainiere täglich, ausser am Sonntag. Das ist mein heiliger Ruhetag. Wir versuchen, jede Disziplin mindestens einmal pro Woche zu trainieren. Insgesamt absolviere ich wöchentlich ungefähr neun Trainings à zwei bis drei Stunden. Dazu kommen Sponsoren-Events, Medientermine und mein Teilzeitjob bei der ‹SWISS KRONO AG›.

Im Februar 2016 bist Du beim Hürdentraining schwer verunfallt.  Wie prägend war dieses Ereignis für deinen weiteren Weg?
Man sagt ja, dass auch eine Verletzung etwas Gutes hat. Das ist wirklich so. Es hat mir gezeigt, dass nicht alles selbstverständlich ist. Ab und zu geht das vergessen. In dieser Zeit lernte ich auch meinen Körper schätzen. Mir wurde bewusst, was ich ihm jeden Tag antue, wie er tickt und dass ich auf ihn hören muss.

Die körperliche Regeneration ist das eine. Wie hast Du den Unfall mental verarbeitet?
Zuerst sagte man mir, dass ich nicht mehr auf das Leistungssport-Niveau werde zurückkehren können. Das war ein ziemlicher Dämpfer. Doch ich wollte mit dem, was ich so liebe, weitermachen. Ich habe gekämpft, um zurückzukommen. Wie man sieht, ist mir das gelungen. Dazu haben auch mein gutes Team und Umfeld beigetragen. Ich konnte jederzeit voll auf sie zählen.

Die vergangene Saison war mit dem U23-Europameister-Titel und dem neunten Rang an der Elite-WM die erfolgreichste. Wohin soll die Reise noch gehen?
Ich hoffe natürlich, sie ist noch lange nicht zu Ende. Mein Ziel ist es, weiterzumachen bis ich 30 bin. Aber jetzt möchte ich zuerst einmal bei der Elite vorne mitmischen. Irgendwann will ich auch an den Olympischen Spielen ein Wörtchen mitreden können.

In der SRF-Sendung ‹Zambo› hast Du einem jungen Mädchen den Wunsch erfüllt, mit Dir zu trainieren. Was rätst Du einem Kind, das eine Leichtathletik-Karriere anstrebt?
Es soll ein Ziel vor Augen haben und dieses mit Spass und Freude verfolgen. Wenn man mit Leidenschaft dahinter ist, kommt der Erfolg meist von ganz allein.

Welche Bedeutung hat für dich dein Stammverein der STV Altbüron heute noch?
Ich bin meinem Verein sehr dankbar. Durch ihn bin ich dahingekommen, wo ich heute bin. Ich werde auch immer für den STV Altbüron starten. Es ist meine Heimat. Leider kann ich nicht mehr so oft dort trainieren, weil ich andere Bedingungen benötige. Gehe aber immer gern zurück – sei es an eine GV oder an eine Fasnacht, wo man zusammen etwas unternimmt. Das schätze ich sehr, denn dort habe ich nach wie vor einen guten Kollegenkreis.

Text: Alexandra Herzog
Foto und Video: Thomas Ditzler

Das ganze Interview gibt es im GYMlive 2/2020 auf der Seite 32/33.


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